Über das Stück

„Kräht ja doch kein Hahn danach und tanzt niemand nach meiner Pfeife“, schrieb Fanny Hensel (1805–1847) einmal resigniert über ihre Musik. Obwohl sie eine hochbegabte Pianistin und Komponistin war, wird sie bis heute vor allem als Schwester von Felix Mendelssohn Bartholdy wahrgenommen. Dass sie selbst ein facettenreiches musikalisches Œuvre schuf, ist nur wenigen bekannt. Fanny erhielt als Tochter wohlhabender Eltern die gleiche hervorragende Ausbildung wie Felix, durfte aber im Gegensatz zu ihrem berühmten Bruder ihre Talente nur in privatem Rahmen ausleben. Doch Fanny ließ sich vom Komponieren nicht abhalten. Zeitlebens tauschte sie sich mit Felix musikalisch aus, und beide redigierten gegenseitig kritisch ihre Werke. Große Erfolge feierte Fanny mit ihren Sonntagsmusiken, bei denen sie als Organisatorin, Komponistin, Dirigentin und Pianistin in Erscheinung trat. Diese Konzerte entwickelten sich zu bedeutenden kulturellen Ereignissen in der Stadt, an denen das Who is Who der Berliner Gesellschaft teilnahm.

Mit einem Musiktheaterabend über diese ungewöhnliche Frau geht auch das Kinderopernhaus Lichtenberg insofern neue Wege, als es nun zum ersten Mal in seiner bald neun-jährigen Geschichte eine Frau, eine Komponistin, in den Mittelpunkt stellt. Die beteiligten 27 Kinder im Alter von 8–12 Jahren erhielten die Möglichkeit, sich über mehrere Monate intensiv mit Fanny, ihrer Musik und ihrer Berliner Lebenswelt auseinanderzusetzen: Wie klingt ihre Musik für uns heute? Wie ist sie aufgewachsen? Wer war ihre Familie? Was empfand sie, als ihr klar wurde, dass der jüngere Bruder den Lebenstraum, Komponist zu sein, verwirklichen durfte, sie aber nicht?

Die Kinder wurden aktiv in die Entstehung von »Fanny! – Wer will mir wehren zu singen?« eingebunden. In Interviews erörterten sie ausgehend von Fannys Leben auch heutige Erwartungen an Mädchen und Jungen, und wie sie selbst damit umgehen. Außerdem sprachen sie über ihre eigenen Vorstellungen: Wie kann ich mir Gehör verschaffen? Will ich rebellieren oder genügt es, von der Erfüllung meiner Wünsche zu träumen? Aus O-Tönen der Kinder entstanden Spielszenen, die zusammen mit Äußerungen Fannys, ihrer Familie und Zeitgenossen – vor allem aus der umfangreichen Korrespondenz – das Fundament des Abends bilden. Diese Dokumente wurden einerseits zu Dialogen umgeschrieben, teilweise sind sie im Original zu hören, andere Impulse der Kinder wiederum wurden in Choreographien übertragen.

Der wichtigste Baustein ist die selten aufgeführte Musik Fanny Mendelssohn Bartholdys. Sie machte sich insbesondere als Liedkomponistin einen Namen, und so stehen ihre Gedicht-Vertonungen im Mittelpunkt. Zum Beispiel das melancholisch-suggestive »Schwanenlied« in g-Moll mit seinem Textbeginn »Es fällt ein Stern herunter«: Eine höchst kunstvolle und bis ins kleinste Detail durchdachte Komposition, in der Text und Musik eine einzigartige Verbindung eingehen. Motive aus Fannys Musik bilden die Grundlage für rhythmisch-szenische Improvisationen des Kinderopernhaus-Orchesters. Das energische Klaviertrio d-Moll vermittelt musikalisch eindrucksvoll, wie man seinen Weg verfolgen kann, selbst wenn er zunächst steinig erscheint. Dass Fannys Musik auch überschwängliche Lebensfreude ausstrahlt, beweist der fröhliche Saltarello Romano, den sie während ihrer Italienreise komponierte.

Kinder wie Erwachsene können Fanny als Vorbild entdecken, mit ihrem Drang, ihre musikalische Leidenschaft familiärer und gesellschaftlicher Widerstände zum Trotz auszuleben. Und so werden mit diesem Abend doch einmal alle nach ihrer Pfeife tanzen!

 

 

 

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